Methodik & Grenzen
Diese Seite erklärt, wie die gezeigten Zahlen entstehen und wo ihre Grenzen liegen. Ehrlichkeit über die Grenzen ist uns wichtiger als schöne Kurven.
Backtest vs. Live
Backtests rechnen eine Strategie auf historischen Kursen nach. Sie zeigen, wie sich eine Regel in der Vergangenheit verhalten hätte, aber nicht, wie sie sich in Zukunft verhält. Der Live-Track-Record hingegen dokumentiert echte, mit echtem Geld ausgeführte Trades ab dem jeweils angegebenen Startdatum.
Was die Prozentzahlen bedeuten
Alle Renditen sind zahlungsstrom-bereinigt: Ein- und Auszahlungen zählen nie als Performance. Absolute Beträge werden bewusst nicht gezeigt.
Werkzeug-Struktur (Stand Juli 2026)
Es gibt genau ein Backtesting-Tool mit drei klar getrennten Typen: Einzel-ETFs (kuratierte Auswahl, Buy & Hold mit optionalem Sparplan), Multi-Asset-Portfolios (feste Gewichte, Rebalancing, inklusive Monte-Carlo-Hochrechnung der Ansparphase) und die Leveraged-/Bot-Strategie (Dual-SMA mit Volatilitäts-Targeting, vollständiger Report). Daneben steht der Entnahme-Plan als eigenständiges Werkzeug: Er rechnet ausschließlich die Entnahmephase. Das Startkapital ist ein Eingabewert, keine Fortschreibung eines Sparplans. Alte Adressen (/app/portfolio, /app/portfolios, /app/optimizer) leiten auf die neuen Bereiche weiter.
Strategie-Methodik (Standard und Alternative)
Die Standard-Strategie ist seit Juli 2026 das Bedingte Vol-Targeting (im Tool „Bedingtes VT"): Auf dem Dual-SMA-60/250-Regime bleibt sie voll investiert, solange die 20-Tage-Volatilität unter ihrem rollierenden 70-%-Perzentil liegt, und de-levert erst darüber auf 15 % Zielvolatilität. Über die volle Historie (synthetische 3×-Serie ab 1999, USD, vor Steuern, Cash-Phasen mit der 3-Monats-T-Bill-Rate verzinst; das ist der Tool-Standard, im Tool abschaltbar) liefert das den niedrigsten Drawdown über alle Crashs (−48,3 % gegenüber −52,4 % beim früheren Vol-Targeting-20-Standard und −83,4 % bei ungesteuertem Buy-and-Hold) und zugleich die bessere Rendite (30,7 % statt 28,3 % pro Jahr). Historisch, keine Garantie.
Und die unbequeme Seite, offen gesagt: Dieser Vorteil gilt über dievolle Historie. Im säkularen Bullen-Fenster ab 2014 kostet der Volatilitäts-Schalter etwas Rendite gegenüber dem bewährten Vol-Targeting 20 % (36,9 % vs. 38,9 % pro Jahr). Genau deshalb kam unsere vorregistrierte Strategie-Forschung formal zum Ergebnis „kein Standardwechsel"; der Wechsel ist eine bewusste Entscheidung mit offengelegtem Tradeoff, keine still optimierte Bestmarke. Der frühere Vol-Targeting-20-Standard bleibt im Tool mit einem Klick wählbar. Zusätzlich lassen sich beide Strategien nicht nur auf der Standard-Basis ab 1999 prüfen, sondern auf Langzeit-Datensätzen: synthetisches 3× auf den Nasdaq-100 ab 1985 und auf den S&P 500 ab 1960.
Entnahme-Methodik
Der Entnahme-Plan kennt drei Modi: einen festen Monatsbetrag (jährlich inflationsindexiert; reicht das Kapital nicht mehr, wird der Rest ausgezahlt und der Verlauf endet ehrlich bei null), eine prozentuale Entnahme (% pro Jahr vom Startkapital, ebenfalls indexiert) und Kapitalerhalt (ausgezahlt wird nur, was über dem Startkapital liegt, je nach Einstellung nominal oder real). Zusätzlich zur historischen Simulation läuft eine Vorwärts-Simulation: ein deterministischer Block-Bootstrap aus der historischen Portfolio-Rendite (1.000 Pfade, monatliche Stützstellen), alle Beträge in heutiger Kaufkraft. Die Pleitewahrscheinlichkeit ist der Anteil der Pfade, in denen das Kapital vor Ende des Horizonts aufgebraucht ist.
Als Quelle steht neben den vier Multi-Asset-Portfolios auch die Standard-Strategie des Backtest-Tools zur Wahl (Dual-SMA 60/250 · Bedingtes Vol-Targeting P70/15 % auf TQQQ). Die Entnahme läuft dann auf derselben Kursreihe wie im Leveraged-Report. Die Replay-Logik ist für alle Quellen identisch: Die Entnahme erfolgt am Monatsersten, noch vor der Tagesrendite des Monats, mit 0,1 % Transaktionskosten auf die Auszahlung und jährlicher Inflationsindexierung, dieselbe Mechanik wie bei den Portfolio-Presets.
Auch hier gilt Ehrlichkeit über die Grenzen: Die Simulation würfelt nur Renditeblöcke, die es historisch gab. Eine schlimmere Krise als in den Daten kann sie nicht erzeugen. Bei der Strategie-Basis kommt eine weitere Einschränkung hinzu: Das Block-Bootstrap-Verfahren zerreißt die Regime-Übergänge der Dual-SMA-Logik, für eine trendfolgende Strategie ist die Vorwärts-Simulation deshalb nur eine grobe Näherung; zudem sind ihre Kurse vor Februar 2010 eine kalibrierte 3×-Simulation aus QQQ-Daten, keine echten Kurse. Steuern und Produktkosten der Entnahme sind nicht modelliert, die Inflationsanpassung erfolgt jährlich statt monatlich, und alle Rechnungen laufen auf US-Dollar-Basis.
Steuer-Methodik (DE)
In der Leveraged-/Bot-Strategie (Typ C) lässt sich optional eine deutsche Netto-Sicht zuschalten (nur in der EU-Wohnsitz-Sicht). Sie rechnet mit der Abgeltungsteuer von 26,375 % (25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, ohne Kirchensteuer) auf realisierte Gewinne, abzüglich der Teilfreistellung für Aktienfonds (30 % steuerfrei; für ETN-artige Produkte wie WisdomTree QQQ3 gilt 0 %). Verluste wandern in einen Verlusttopf, der jahresübergreifend vorgetragen wird und vor jedem neuen Gewinn zuerst verrechnet wird; danach greift ein optional eingegebener jährlicher Sparerpauschbetrag (in US-Dollar), erst danach der Steuersatz.
Die Strategie selbst rechnet mit einer Durchschnittskosten-Basis (Avg-Cost) je Position: Käufe erhöhen die Kostenbasis, ein Verkauf realisiert den anteiligen Gewinn oder Verlust und die fällige Steuer wird sofort aus dem Kapital einbehalten, wie beim deutschen Kapitalertragsteuer-Abzug direkt beim Broker. Das mindert den Depotwert, zählt aber nicht als Ein- oder Auszahlung (die Rendite bleibt zahlungsstrom-bereinigt korrekt). Die Vergleichsbenchmarks (Buy & Hold auf TQQQ/QQQ/SPY/MSCI World sowie die vier Multi-Asset-Portfolios) werden dagegen nur ein einziges Mal besteuert: als hypothetischer Verkauf am Ende des Betrachtungszeitraums, mit den gesamten Einzahlungen als Kostenbasis. Für die aktiv oder gehebelt umschichtenden Vergleichsstrategien (Gayed LRS, HFEA, 200-SMA-TQQQ, 9Sig, QQQ3-Strategie) wäre dieser Terminal-Verkauf nur ein grober Näherungswert: Sie realisieren in Wirklichkeit unterjährig und würden bei echter Nachbildung anders besteuert. Deshalb weisen wir für sie bewusst keine Netto-Werte aus. Der Einzel-ETF-Vergleich (Typ A) nutzt dasselbe Terminal-Verkaufsmodell je ETF, mit der Teilfreistellung je Fondstyp aus der EU-Äquivalenz-Übersicht (z. B. 0 % für Gold-ETC und Anleihen-ETFs) und ohne Sparerpauschbetrag, denn unabhängige Endverkäufe teilen sich keinen Freibetrag.
Bewusste Grenzen dieser ersten Version: Es wird keine Vorabpauschale auf thesaurierende Fonds modelliert (die in Deutschland real jährlich anfällt), es gibt kein FIFO (Verkäufe wirken über eine gemittelte Kostenbasis, nicht über einzelne Kauf-Lose), keine Fremdwährungsumrechnung (alles bleibt USD-Sicht) und der Entnahme-Plan ist von dieser Steuer-Sicht komplett unabhängig (dort sind Steuern und Produktkosten weiterhin nicht modelliert). Das Ergebnis ist eine Näherung für die Größenordnung des Steuereffekts, keine Steuerberatung und kein Ersatz für die individuelle Berechnung mit einem Steuerberater.
Grenzen und Risiken
Gehebelte Produkte verstärken Gewinne und Verluste. Ein Rückgang von 80 % erfordert einen anschließenden Anstieg von 400 %, nur um wieder auf null zu kommen. Backtests können überangepasst sein („Overfitting"); wo Kennzahlen darauf hindeuten, weisen wir es aus. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Ausführliche Strategie-Erklärungen, Overfit-Hinweise und der Hebel-Recovery-Callout folgen mit den Beispiel-Reports (in Vorbereitung).
Beide Tools, die diese Methodik benutzen, sind kostenlos: das Backtesting-Tool und der Entnahmeplan-Rechner.