Steuern
Was eine 200-Tage-Strategie nach deutschen Steuern wirklich übrig lässt
Das Wichtigste in Kürze
- Jeder Regime-Wechsel einer Switch-Strategie ist ein Verkauf: Er realisiert Gewinne in der gesetzlichen FIFO-Reihenfolge und löst 26,375 % Abgeltungsteuer aus, bei Aktien-ETFs mit 30 % Teilfreistellung effektiv 18,46 %.
- Buy-and-Hold behält den Steuerstundungs-Zinseszins: Gerd Kommer beziffert den Vorteil gegenüber jährlicher Vollrealisierung auf 1,1 Prozentpunkte Nettorendite pro Jahr, das sind +33 % Endvermögen nach 30 Jahren und +58 % nach 40 Jahren.
- Der reale Steuer-Drag einer Dual-SMA-Strategie liegt sehr wahrscheinlich unter diesem Worst Case: Sie schichtet seltener um als eine jährliche Vollrealisierung, und Fehlsignal-Verluste landen im allgemeinen Verlusttopf, voll verrechenbar und unbegrenzt vortragbar.
- Frequenz ist der Steuer-Treiber: Der MSCI ACWI kreuzte seine 200-Tage-Linie 2022 und 2023 jeweils 17-mal, und jede Kreuzung ist bei konsequenter Umsetzung ein potenzielles Steuer-Ereignis.
- Inzwischen rechnet unser Backtest die deutsche Steuer auf Wunsch mit: eine optionale Netto-Sicht mit Abgeltungsteuer (26,375 %), Teilfreistellung je Instrument und Verlusttopf, sofort einbehalten und nur der Netto-Erlös wieder angelegt. Damit wird der Drag im Tool sichtbar; offen bleibt allein die Vorabpauschale.
Was kostet eine 200-Tage-Strategie an Steuern? Zwei Dinge. Erstens ist jeder Regime-Wechsel ein Verkauf, der die aufgelaufenen Gewinne der verkauften Anteile realisiert und darauf 26,375 % Abgeltungsteuer auslöst, bei einem Aktien-ETF mit 30 % Teilfreistellung effektiv 18,46 %. Zweitens verliert die Strategie mit jedem Verkauf ein Stück Steuerstundung, also den Zinseszins auf noch nicht gezahlte Steuern, den Buy-and-Hold behält. Gerd Kommer beziffert diesen Stundungsvorteil im Worst Case auf rund 1,1 Prozentpunkte Nettorendite pro Jahr.
Das ist die ehrliche Achillesferse jeder Switch-Strategie, auch unserer. Dieser Artikel rechnet sie nicht klein, sondern zeigt beide Seiten: warum der reale Steuer-Drag einer Dual-SMA-Strategie sehr wahrscheinlich unter diesem Worst Case liegt, und wie du genau diese Zahl inzwischen im Tool selbst nachrechnest: mit eingeschalteter deutscher Netto-Sicht. Vorweg außerdem der wichtigste Hinweis: Das hier ist keine Steuerberatung. Kirchensteuer, Sparerpauschbetrag und Günstigerprüfung hängen an deiner individuellen Situation.
Warum löst jeder Regime-Wechsel Steuern aus?
Eine 200-Tage-Strategie, und genauso unser Dual-SMA-Ansatz, tut im Kern zwei Dinge: Sie steigt aus, wenn der Kurs unter die Trendlinie fällt, und wieder ein, wenn er darüber steigt. Steuerlich ist jeder dieser Ausstiege ein ganz normaler Verkauf. Liegt der Kurs über dem Einstand der verkauften Anteile, entsteht ein realisierter Gewinn, und auf den greift die Abgeltungsteuer zu: 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls plus Kirchensteuer.
Welche Anteile als verkauft gelten, darfst du dir dabei nicht aussuchen. Paragraf 20 Abs. 4 Satz 7 EStG schreibt die FIFO-Methode vor: First in, first out, die ältesten Anteile gelten als zuerst veräußert, und eine anders lautende Einzelanweisung an den Broker ist steuerlich unbeachtlich. Für eine Switch-Strategie heißt das: Ein Voll-Ausstieg realisiert zuerst genau die Tranchen mit den höchsten aufgelaufenen Gewinnen. Wer jahrelang per Sparplan angespart hat und dann das erste Ausstiegssignal konsequent umsetzt, versteuert die Gewinne seiner ältesten Sparraten sofort.
Wie viel Steuer konkret anfällt, hängt am Produkt. Ein Aktienfonds mit mehr als 50 % Aktienquote bekommt nach Paragraf 20 InvStG eine Teilfreistellung von 30 %: Dieser Teil des Gewinns bleibt steuerfrei, effektiv werden aus 26,375 % dann 18,46 %. Ein gehebeltes ETN wie QQQ3 ist dagegen rechtlich eine Schuldverschreibung und kein Investmentfonds, bekommt 0 % Teilfreistellung und zahlt den vollen Satz. Diese Produktseite der Steuerfrage, also ETN gegen UCITS-Hebel-ETF, nimmt der Artikel über Hebel-ETFs und Steuern auseinander. Hier geht es um die Verhaltensseite: Was kostet das Umschichten selbst?
Der Sparerpauschbetrag federt davon wenig ab. Er stellt pro Jahr nur einen festen Betrag frei (1.000 € (Einzelveranlagung) / 2.000 € (Zusammenveranlagung)) und ist bei einer Strategie, die im selben Jahr mehrfach Gewinne realisiert, schnell aufgebraucht. Die Bank zieht die Steuer danach automatisch bei jedem Verkauf ab, und nur der Rest wird wieder angelegt. Genau dieses Weniger-Wiederanlegen ist der eigentliche Schaden, denn es wirkt wie ein negativer Zinseszins.
Wie groß ist der Steuerstundungseffekt wirklich?
Der zweite Kostenblock ist unsichtbarer als der Steuerabzug selbst. Kommer zitiert in seinem Blogbeitrag „Steuern sparen mit Buy-and-Hold" Warren Buffett, der die Steuerstundung ein „zinsloses Darlehen vom Staat" nennt: Solange du nicht verkaufst, bleibt die latente Steuer auf deine Gewinne investiert und verzinst sich mit. Wer realisiert, zahlt das Darlehen vorzeitig zurück und verzichtet auf dessen künftige Erträge.
Kommers Beispielrechnung macht die Größenordnung greifbar, und ihr Szenario gehört transparent dazu: Er vergleicht zwei identische Depots mit 9,5 % Bruttorendite pro Jahr und 26,375 % Steuersatz. Das eine realisiert jede Position jedes Jahr komplett, das andere lässt alles bis zum Schluss liegen. Ergebnis: 7,0 % Nettorendite pro Jahr gegen 8,1 %, ein Unterschied von 1,1 Prozentpunkte, Jahr für Jahr. Über lange Horizonte summiert sich das brutal: nach 30 Jahren +33 % mehr Endvermögen für Buy-and-Hold, nach 40 Jahren +58 %. Gleiche Bruttorendite, gleicher Steuersatz, der gesamte Unterschied ist Stundung.
Endvermögens-Vorsprung von Buy-and-Hold gegenüber jährlicher Vollrealisierung
Wichtig für die Einordnung: Kommers Vergleichsfall ist die jährliche Vollrealisierung, also der steuerlich ungünstigste realistische Anleger. Die 1,1 Prozentpunkte sind damit ein Worst-Case-Anker, kein Messwert für eine konkrete Strategie. Von dieser Obergrenze aus muss man für jede reale Strategie nach unten korrigieren, und wie weit, hängt von ihrem Verhalten ab.
Liegt der Steuer-Drag einer Dual-SMA-Strategie wirklich bei 1,1 Prozentpunkten?
Sehr wahrscheinlich nicht, und zwar aus drei Gründen. Der erste ist die Frequenz, und hier lohnt Ehrlichkeit gegen die eigene Zunft: Eine nackte 200-Tage-Linie ist in Seitwärtsphasen ein Steuer-Generator. Der MSCI ACWI kreuzte seine 200-Tage-Linie 2022 und 2023 jeweils 17-mal, das zeigt die HQ-Trust-Analyse (Datenstand August 2024). Jede dieser Kreuzungen ist bei konsequenter Umsetzung ein Trade, und jeder Trade mit Gewinn ein Steuer-Ereignis.
Ein Dual-SMA-Ansatz mit zwei Linien, bei uns 60 und 250 Tage, ist genau gegen dieses Flattern gebaut: Er schichtet erst um, wenn sich zwei unterschiedlich träge Durchschnitte kreuzen, und filtert damit einen Teil der Fehlsignale heraus. Das reduziert die Signalzahl gegenüber der einzelnen Linie. Vor allem aber schichtet eine Dual-SMA 60/250 deutlich seltener um, als Kommers Worst Case unterstellt, der jedes Jahr jede Position komplett realisiert. Eine eigene, belastbare Switch-Zahl pro Jahr nennen wir hier trotzdem bewusst nicht: Sie gehört zu den Dingen, die du im Tool selbst mit eingeschalteter Netto-Sicht nachrechnest, nicht in einen Artikel ohne Beleg.
Der zweite Grund fehlt in fast jeder Steuer-Debatte: Fehlsignale erzeugen Verluste, und realisierte Verluste sind steuerlich nicht wertlos. Verluste aus ETF-Verkäufen landen im allgemeinen Verlustverrechnungstopf, nicht im engeren Aktientopf, der nur für Einzelaktien gilt. Die Bank verrechnet sie automatisch mit späteren Gewinnen, und was übrig bleibt, wird unbegrenzt in die Folgejahre vorgetragen. Eine Switch-Strategie, die in Seitwärtsphasen Whipsaw-Verluste einsammelt, baut sich damit einen Puffer auf, der die Steuer auf die nächsten realisierten Gewinne senkt.
Der dritte Grund ist das Timing: Eine Trendfolge verkauft oft in fallende Märkte hinein, also in Momenten, in denen auf den jüngsten Tranchen wenig Gewinn oder sogar Verlust steht. Alle drei Effekte drücken den realen Steuer-Drag unter die 1,1 Prozentpunkte des Worst Case. Wie weit darunter, ist keine Meinungsfrage, sondern eine Rechenaufgabe, und zwar eine strategiespezifische: Sie hängt an Signalfrequenz, Gewinnverteilung und Verlustphasen genau deiner Regel. Warum wir uns diese Steuer-Komplexität überhaupt antun, statt einfach passiv zu halten, steht im Grundsatzartikel darüber, ob gehebelte ETFs für langfristiges Anlegen sinnvoll sind: Es geht dort um Drawdown-Steuerung, nicht um Mehrrendite durch Timing.
Stundet Buy-and-Hold wirklich zu 100 Prozent? Die Vorabpauschale
Zur ehrlichen Rechnung gehört auch das Gegengewicht: Der Stundungsvorteil von Buy-and-Hold ist seit 2023 selbst nicht mehr vollständig. Thesaurierende Fonds unterliegen der Vorabpauschale, einer jährlichen Mindestbesteuerung auf Basis eines vom Bundesfinanzministerium festgelegten Basiszinses. Der lag laut Finanztip für 2025 bei 2,53 % und liegt laut BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026 für 2026 bei 3,20 %. In der Größenordnung heißt das laut Finanztip rund 35 € Steuer je 10.000 € Anlagesumme in einem thesaurierenden Aktien-ETF für das Jahr 2025, abgebucht Anfang Januar 2026.
Die Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf angerechnet, es ist also keine zusätzliche Steuer, sondern eine kleine Vorziehung. Der Kern des Stundungsvorteils bleibt bestehen, aber das Bild „Buy-and-Hold stundet zu 100 %, die Switch-Strategie zahlt sofort" stimmt seit 2023 nicht mehr ganz. Kurios wird es beim gehebelten ETN: QQQ3 fällt als Schuldverschreibung nicht unter das Investmentsteuergesetz, hat also keine Vorabpauschale und stundet bis zum Verkauf vollständig. Dafür fehlt ihm die Teilfreistellung, sodass am Ende der volle Satz fällig wird. Die Steuer-Bilanz zwischen den Produkttypen ist damit kein Selbstläufer in eine Richtung.
Rechnet irgendjemand die 200-Tage-Strategie nach Steuern durch?
Öffentlich: nach unserer Kenntnis niemand. Die bekannteste deutsche Untersuchung stammt von HQ Trust und betrachtet den MSCI ACWI von 1973 bis August 2024. Ergebnis vor Steuern: 7,1 % Rendite pro Jahr für die 200-Tage-Strategie gegen 7,3 % für Buy-and-Hold, bei einem maximalen Drawdown von 30 % vs. 58 %, inklusive 0,2 % Transaktionskosten je Umschichtung. Steuereffekte werden dort nicht ausgewiesen. Die Strategie kaufte in diesem Fenster also schon vor Steuern eine deutlich geringere Absturztiefe mit etwas Rendite, und die Steuer verschiebt diese Bilanz weiter zulasten der Strategie. Nur beziffert das eben niemand.
Bevor das wie Kritik an anderen klingt: Lange hatte unser eigenes Backtest-Tool dieselbe Lücke, jede Zahl war vor Steuern gerechnet. Inzwischen ist sie geschlossen: Eine optionale deutsche Netto-Sicht rechnet die Abgeltungsteuer (26,375 %) auf realisierte Gewinne mit, inklusive Teilfreistellung je Instrument und Verlusttopf, als sofortiger Einbehalt und mit Wiederanlage nur des Netto-Erlöses. So wird sichtbar, was der Vergleich „Strategie gegen Buy-and-Hold" ohne Steuern strukturell zugunsten der Strategie verzerrt. Ehrlich bleibt die eine Grenze: Die Vorabpauschale ist noch nicht modelliert. Und dieser Artikel zeigt, dass der Unterschied nicht klein ist. Wie sich diese Lücke in die übrigen typischen Backtest-Schwächen einordnet, steht im Artikel über Backtesting-Fehler, und was die Engine heute kann und was nicht, dokumentiert die Seite Methodik und Grenzen.
Buy-and-Hold gegen Switch-Strategie: die Steuer-Bilanz
| Steuer-Kriterium | Buy-and-Hold (thesaurierender Aktien-ETF) | Switch-Strategie (z. B. Dual-SMA) |
|---|---|---|
| Steuerstundung | Bleibt weitgehend erhalten. Kommer beziffert den Vorteil gegenüber jährlicher Vollrealisierung auf 1,1 Prozentpunkte Nettorendite pro Jahr (+33 % Endvermögen nach 30 Jahren) | Geht bei jedem Regime-Wechsel teilweise verloren: Realisierte Gewinne werden sofort versteuert, nur der Netto-Erlös arbeitet weiter |
| Realisierungsfrequenz | Im Idealfall ein einziger Verkauf ganz am Ende | Strategieabhängig. Eine einzelne 200-Tage-Linie erzeugte auf den MSCI ACWI 2022 und 2023 je 17 Kreuzungen, ein Dual-SMA-Puffer reduziert die Signalzahl |
| Verlusttöpfe | Entstehen kaum, weil selten verkauft wird | Fehlsignale erzeugen realisierte Verluste im allgemeinen Verlusttopf: voll mit Kapitalerträgen verrechenbar, unbegrenzt vortragbar |
| Vorabpauschale | Fällt seit 2023 jährlich an (Basiszins 2025: 2,53 %, 2026: 3,20 %, rund 35 € je 10.000 € Anlage), wird beim Verkauf angerechnet | Fällt auf Fonds-Positionen ebenso an. In Cash-Phasen und bei ETNs wie QQQ3 entsteht keine |
| Was unser Backtest-Tool heute abbildet | Rendite und Drawdown vor Steuern | Rendite und Drawdown standardmäßig vor Steuern; die deutsche Netto-Sicht (Abgeltungsteuer 26,375 %, Teilfreistellung, Verlusttopf, Netto-Wiederanlage) ist optional zuschaltbar, ohne Vorabpauschale |
Quelle: Gerd Kommer, HQ Trust, Finanztip, BMF. Einzelnachweise im Quellenverzeichnis
Lässt sich die FIFO-Regel legal gestalten?
Ein letzter Punkt, weil er in jeder Steuer-Diskussion auftaucht: Die FIFO-Regel gilt depotbezogen, nicht anlegerbezogen. Daraus hat sich eine bekannte Gestaltung entwickelt: Anteile auf ein Zweit- oder Unterdepot übertragen und so beim Verkauf steuern, welche Tranchen als die ältesten gelten. Das existiert, und Fachliteratur wie Haufe beschreibt es ausdrücklich.
Wir erwähnen es der Vollständigkeit halber und sprechen bewusst keine Empfehlung aus. Ob so eine Gestaltung in deiner Situation sinnvoll ist, sauber umgesetzt wird und den Aufwand wert ist, gehört in ein Gespräch mit einem Steuerberater, nicht in einen Artikel. Für die Grundsatzfrage dieses Textes ändert sie ohnehin wenig: Auch mit optimierter Tranchen-Reihenfolge bleibt jeder Switch ein Realisierungs-Ereignis, das Stundung kostet.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Abgeltungsteuer auf ETF-Gewinne?
Auf realisierte Kursgewinne fallen 26,375 % an (25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag), gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Bei Aktienfonds mit mehr als 50 % Aktienquote bleiben durch die Teilfreistellung 30 % des Gewinns steuerfrei, effektiv also 18,46 %. ETNs wie QQQ3 sind keine Investmentfonds, bekommen keine Teilfreistellung und zahlen den vollen Satz.
Was ist der Steuerstundungseffekt bei ETFs?
Solange du nicht verkaufst, bleibt die Steuer auf deine Buchgewinne im Depot investiert und verzinst sich mit, Gerd Kommer zitiert dazu Warren Buffett, der das ein zinsloses Darlehen vom Staat nennt. In seiner Beispielrechnung (9,5 % Bruttorendite, 26,375 % Steuersatz) bringt Buy-and-Hold gegenüber jährlicher Vollrealisierung 1,1 Prozentpunkte mehr Nettorendite pro Jahr, das sind +33 % mehr Endvermögen nach 30 Jahren und +58 % nach 40 Jahren.
Muss ich bei jedem Verkauf durch eine 200-Tage-Strategie Steuern zahlen?
Steuern fallen nur an, wenn die verkauften Anteile im Gewinn sind. Welche Anteile als verkauft gelten, bestimmt die gesetzliche FIFO-Regel: die ältesten zuerst, die bei langem Ansparen meist die höchsten Gewinne tragen. Verkäufe im Verlust erzeugen dagegen einen Eintrag im allgemeinen Verlustverrechnungstopf, der spätere Gewinne steuerlich mindert und unbegrenzt vorgetragen wird.
Was ist die Vorabpauschale und betrifft sie mich?
Die Vorabpauschale ist eine jährliche Mindestbesteuerung für Fonds, vor allem thesaurierende: Seit 2023 wird auf Basis des Basiszinses (2025: 2,53 %, 2026: 3,20 %) ein fiktiver Ertrag versteuert, laut Finanztip rund 35 € je 10.000 € Anlagesumme für 2025. Sie wird beim späteren Verkauf angerechnet, ist also eine Vorziehung, keine Zusatzsteuer. ETNs wie QQQ3 sind keine Fonds und haben keine Vorabpauschale.
Kann ich die FIFO-Regel bei ETF-Verkäufen umgehen?
Die FIFO-Reihenfolge selbst ist gesetzlich zwingend (Paragraf 20 Abs. 4 Satz 7 EStG), eine Einzelanweisung an den Broker ist steuerlich unbeachtlich. Sie gilt aber depotbezogen: Wer Anteile auf ein Zweitdepot überträgt, kann dadurch beeinflussen, welche Tranchen ein Verkauf zuerst trifft. Ob das im Einzelfall sinnvoll und sauber umsetzbar ist, sollte ein Steuerberater beurteilen, eine Empfehlung ist das hier ausdrücklich nicht.
Lohnt sich eine 200-Tage-Strategie nach Steuern überhaupt noch?
Ehrliche Antwort: Das ist öffentlich nicht sauber vorgerechnet, auch von uns noch nicht. Vor Steuern fand HQ Trust für den MSCI ACWI (1973 bis August 2024) 7,1 % pro Jahr für die 200-Tage-Strategie gegen 7,3 % für Buy-and-Hold, bei maximalem Drawdown von 30 % vs. 58 %; Steuereffekte werden dort nicht ausgewiesen. Der Steuer-Drag liegt strategieabhängig unter dem Kommer-Worst-Case von 1,1 Prozentpunkte pro Jahr, verschiebt die Bilanz aber zulasten der Strategie. Wer umschichtet, kauft Risikosteuerung und bezahlt dafür unter anderem mit Steuerstundung.
Quellen
- Gerd Kommer: "Steuern sparen mit Buy-and-Hold"
- § 32d Abs. 1 EStG: Abgeltungsteuersatz 25 % (gesetze-im-internet.de)
- § 20 InvStG (gesetze-im-internet.de)
- § 2 Abs. 6 InvStG (gesetze-im-internet.de)
- Steuerbot: Teilfreistellung ETF
- § 20 Abs. 9 EStG (gesetze-im-internet.de)
- justETF-Academy: "Was ist ein ETN?" (ETN ist eine Schuldverschreibung, kein Sondervermögen eines Fonds)
- HQ Trust: "Timing-Strategie im Check: wann sich Investieren mit der 200-Tage-Linie lohnt"
- Finanztip: "Was ist die Vorabpauschale?"
- BMF-Schreiben zur Basiszins-Berechnung (13.01.2026)
- Haufe: FIFO-Methode bei Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 4 Satz 7 EStG)
- extraETF: Verlustverrechnungstöpfe bei ETFs und Fonds
- Eigenes Backtest-Tool: Methodik und Grenzen (alle Backtests vor Steuern)